Native American Association of Germany e.V.
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End-of-Year Review - Jahresrückblick

2010

The NAAoG-Seminar 2010

by Ulrich Wick, NAAoG-member


For the 2010 seminar, the NAAoG chose an idyllically placed holiday village in the Odenwald region, at Kröckelbach, a part of the town of Fürth. The trip there on Friday, June 18th, is no problem, even if the road from the highway exit to Fürth seems to be more or less a roadworks rally. When the seminar was announced for the middle of June, I hoped we could spend a relaxed evening with a barbecue in the open, but the weather thwarts our plans - like on many occasions during this summer, by the way. It’s just too cold. Thank you very much, St. Peter!

When nearly all participants have arrived and moved into their quarters, we have to do some shopping first, because the fridge needs to be filled for 2 ½ days. It’s not very far to Fürth, and this city offers ample possibilities. As soon as supper’s finished, we all meet in our house.

Since there are a lot of new members in the NAAoG, it makes sense that all participants introduce themselves in this big meeting. It’s really interesting to hear the reasons of individual members for joining the organisation. This starts with personal motives like their own heritage or their husband's, to a more general interest in Native American cultures, in many cases caused by reading Karl May, and meetings during past events. Not all of us are able to speak English without problems, and so Carmen Kwasny has a lot of work translating.

The beds in our houses are indeed comfortable - but if you get 7 persons in one house, with walls of maybe 5 millimetres, and two “sawmills” among those persons, the night gets even shorter than you may have thought. Next morning I explain to Joe Hobay, our vice-chairman, that “sawing” in German is also another word for “snoring” and I’m really glad that the small group of trees on the other side is still standing. He has a big laugh und gives the trees a quick critical look.

Saturday morning is under the auspices of Joe Hobay’s Kiowa culture, and Joe answers the following questions  with pleasure. For one more time it becomes obvious that we have only a very shallow knowledge here in Germany and that - despite all information we may have gathered by reading - we often step right into the next best cliché-trap.

 

 

       

Ulrich Wick, NAAoG-member
and author of this article

 

Chairwoman Carmen Kwasny and
  Vice-Chairman Joe Hobay

 

NAAoG-members from
Switzerland and Germany


Following lunch and the annual meeting, Joe has a gift for all participants. Everyone gets a piece of red brownstone he found a year ago here in Germany during a trip. It’s the very rock his people in the U.S.A. use for their face paint and therefore a symbol for the fact that we all share the same world.

After that there’s an excursion into pronounciation and meaning of Kiowa names, taking place in our house, that demands a lot of Carmen’s abilities to articulate. Her revenge is the word “Streichholzschächtelchen” for Joe to pronounce. Both their attempts in these languages completely different from each other are only partly successful.

The next and final day, on Sunday, we continue with the explanations that began the evening before. Joe has brought along some flyers and other printed material we gladly take with us. There’s a good chance that I’ll use it when visiting the spots myself - but that’s a whole different story. In addition to some explanations concerning the relations of the Kiowa nation, we also get a glimpse into their political structures. And these structures prove to be really complex, and irritating to us. Which committee reports to which board, who is responsible for which department, and how does the B.I.A (Bureau of Indian Affairs) come into all this on top of it all - that’s not easy for us to understand. And I used to think Germany was highly bureaucratic.

  

       

It is cold in the morning
and in the evening.

 

After cleaning up we sit down and had fun.

 

We are drinking coffee and taking turns
playing the guitar.


After lunch the group slowly dissolves. We finish cleaning and controlling the houses (counting the dishes and the linnen and checking with the inventory!), then Alex, Carmen, Joe and I start on our way home. Even if the weather did not quite play along, it was a really interesting weekend.

I’m looking forward to the seminar in 2011!

Ulrich Wick

 



Das NAAoG-Seminar 2010

von Ulrich Wick, NAAoG-Mitglied


Für das Seminar 2010 hat die NAAoG ein idyllisch gelegenes Feriendorf im Odenwald ausgesucht, und zwar in Kröckelbach, einem Ortsteil von Fürth. Die Anreise am Freitag, dem 18. Juni 2010, ist kein Problem, auch wenn die Strecke von der Autobahn bis nach Fürth einer Baustellenrallye gleicht. Und hatte ich bei dem Termin mitten im Juni vorher noch darauf gehofft, wir könnten den Abend im Freien beim gemütlichen Grillen verbringen, so macht uns das Wetter - wie überhaupt wieder häufig in diesem Sommer - einen Strich durch die Rechnung. Es ist einfach zu kalt. Vielen Dank, Petrus!

Nachdem fast alle Teilnehmer eingetroffen und die Häuser bezogen sind, ist zunächst Einkaufen angesagt. Schließlich will der Kühlschrank für zweieinhalb Tage gefüllt sein. Der nahe gelegene Hauptort Fürth bietet dafür ausreichend Möglichkeiten. Nach dem Abendessen treffen wir uns dann in unserem Haus.

Da die NAAoG eine ganze Reihe neuer Mitglieder hat, bietet es sich an, sich zunächst in großer Runde vorzustellen. Interessant wird es dabei, zu hören, aus welchen Gründen sich die einzelnen Mitglieder dem Verein angeschlossen haben. Das reicht von persönlichen Motiven wie der eigenen Herkunft oder dem Ehepartner über das allgemeine, nicht selten durch Karl May geweckte Interesse an den indianischen Kulturen, bis zu Begegnungen bei Veranstaltungen in der Vergangenheit. Da nicht alle des Englischen problemlos mächtig sind, hat Carmen Kwasny reichlich mit dem Übersetzen zu tun.

Die Betten in den Häusern sind durchaus komfortabel - wenn man allerdings in einem 7-Personen-Trupp und einer Wandstärke von vielleicht 5 Millimetern gleich zwei „Sägewerke“ dabei hat, dann wird die Nacht durchaus kürzer als gedacht. Am nächsten Morgen erkläre ich unserem zweiten Vorsitzenden Joe Hobay, dass man im Deutschen zu „schnarchen“ eben auch „sägen“ sagt und ich froh bin, dass der kleine Wald gegenüber noch steht. Er muss herzlich darüber lachen und wirft einen kritischen Blick zu den Bäumen hinüber.

Der Samstagmorgen steht dann im Zeichen der Kiowa-Kultur Joe Hobays, der auf die anschließenden Fragen gern Auskunft gibt. Es stellt sich wieder einmal heraus, dass wir in Deutschland häufig nur sehr oberflächliche Kenntnisse haben und - bei allem angelesenen Wissen - des Öfteren in die Klischee-Falle tappen.

 

 

       

Ulrich Wick, NAAoG-Mitglied
und Verfasser des Artikels

 

Die 1. Vorsitzende Carmen Kwasny und
der 2. Vorsitzende Joe Hobay

 

Mitglieder der NAAoG aus der
Schweiz und aus Deutschland


Nach dem Mittagessen und der anschließenden Jahreshauptversammlung hat Joe ein Geschenk für alle Teilnehmer. Jeder bekommt  ein Stück roten Sandsteins, den er ein Jahr zuvor auf einem Ausflug hier in Deutschland gefunden hat. Es ist der gleiche Stein, der von seinem Volk in den USA zur Bemalung benutzt wird und damit ein Symbol dafür, dass wir uns dieselbe Welt teilen.

Anschließend folgt in unserem Haus noch ein Exkurs in die Aussprache und Bedeutung der Kiowa-Namen, der insbesondere an Carmens Artikulationsfähigkeiten erhöhte Anforderungen stellt. Sie revanchiert sich dafür mit einem „Streichholzschächtelchen“, das Joe aussprechen muss. Die gegenseitigen Bemühungen in den einander völlig fremden Sprachen verlaufen nur bedingt erfolgreich.

Am abschließenden Sonntag steht dann die Fortsetzung der am vorherigen Abend begonnenen Erläuterungen auf dem Programm. Joe hat auch einiges an Ansichtsmaterial mitgebracht, das wir gern mitnehmen. Könnte durchaus sein, dass ich das noch mal direkt vor Ort nutzen werde - aber das ist ein anderes Thema. Neben Erläuterungen zu den verwandtschaftlichen Beziehungen der Kiowas erhalten wir auch Einblick in die politischen Strukturen innerhalb des Stammes. Die stellen sich dann allerdings als höchst komplex und für uns verwirrend dar. Welches Komitee nun welchem Vorstand verantwortlich ist, wer für welchen Bereich zuständig ist und wie das BIA (Bureau of Indian Affairs) dort nun auch noch hineinspielt, ist nicht leicht zu durchschauen. Und ich habe bis dahin gedacht, wir in Deutschland wären bürokratisch.

  

       

Morgens und Abends ist es kalt.

 

Nach dem Aufräumen sitzen wir zusammen
und haben Spaß.

 

Wir trinken Kaffee und wechseln uns beim
Gitarrespielen ab.


Nach dem Mittagessen löst sich unsere Gruppe langsam auf. Nachdem die Häuser noch gereinigt und kontrolliert sind (Geschirr, Besteck und Wäsche zählen und mit der Bestandsliste abgleichen!), machen sich auch Alex, Carmen, Joe und ich auf den Heimweg. Auch wenn das Wetter nicht unbedingt mitgespielt hat, war es ein überaus interessantes Wochenende.

Ich freue mich schon auf das Seminar 2011!

Ulrich Wick

 


 

Travel Reports - Reiseberichte 2010


Cultural Youth Exchange Project – Santee Sioux - Pfadfinder, Aschau

Powwow dance performance in Aschau


On 20st of April 2010 I received an e-mail from Todd Runnels informing me about a cultural youth exchange taking place in Aschau from 28th of July until 20st of August 2010. They had planned a powwow (powwow dance presentation) for 15th of August and were still looking for Native American dancers to join them and support the whole project with their participation. I e-mailed back and informed Todd that our vice-chairman Joe Hobay was going to be in Germany during that time and we would try to make it. I knew we were going to be in Northrhine-Westphalia during that time, and it was a long drive all the way down south to the Alps. I was hoping we would have some time to spend in the Alps, at least a couple of days. Todd sent me the point of contact for the German side, Mr. Peter Pfaffinger from Aschau. I contacted him also. Short time later I found out we would be able to make it to the event on Sunday, but we had to be at another location Monday morning. It also was not possible to arrive a day earlier. We would miss the Bavarian culture evening Peter organized for the group.

We took off Saturday evening from Northrhine-Westphalia and drove to Kaiserslautern, slept for two hours and got back on the Autobahn heading south. Listening to the music of Broken Walls I drove all night (528 miles). We arrived in Aschau Sunday morning around 9 a.m. We parked our car next to a forest up a hill and got out of the car. We were at the foot of the Alps. I looked around and took a deep breath. – Nothing compares to the good air in the Alps and that wonderful smell. Home, sweet home! I spent the first years of my life in Bavaria close to the Alps and still regard this area my home. But there was no time to indulge in memories, because we had to get ready. We used the drinking water from our bottles for a quick wash and to fix our hair. The car was packed with all kinds of stuff that at this point was far from being packed orderly due to the lack of time. We had luggage, food bags, towels, blankets all over the car including our water cooker, the most important piece of equipment, but unfortunately it only works with electricity. “I hope we can get some coffee somewhere,” I said to Joe. I can get really grouchy when I have to go without a cup of coffee in the morning.

We drove to the event location and saw Peter, Todd, and two NAAoG-members immediately after we arrived. Everybody was very busy and we decided to talk later. We still had a couple of hours and had planned to take a look at this beautiful town with all these beautiful Bavarian buildings decorated with paintings. Joe spotted a souvenir shop and was decided to go there on the way back. Right across was a cable car, and our member from Switzerland invited us for a ride. I am very grateful for that. It was wonderful up there. Neither Joe nor me had expected the sight we got to see from the mountain top. We were totally amazed. From the foot of the mountain it does not seem to be that high, but on our way up, we realised how high it really was. When you leave the cabin and come out of the station, you are suddenly in the Alps, and looking south you see nothing but mountains all the way into the far distance. And I saw my favorite cows. The brown ones with those plush ears.   

At the foot of the Alps

   

The Alps

   

cow

In Aschau at the foot of the Alps

 

The Alps - View from the mountain top

 

One of my favorite cows

The weather was fine when we arrived, but it got cloudy after a short time. Fast weather changes are not unusual for the Alps. Pretty soon the clouds covered everything and when we decided it was time to go back, we were not able to see anything anymore – no mountains, not even the cable car station. We were in the clouds. We realized how lucky we were to get that wonderful look before everything disappeared again. It was like a gift. Joe would say, a gift from creator. We took the cable car back down and it took a while until we got out of the clouds. We returned to the location where the powwow was going to take place.
 

In the Alps     Soon the clouds were coming.     Going back down

The weather was fine when we arrived.

 

But pretty soon the clouds started to cover
everything.

 

View from the inside of the cable car on the
way back

They had planned to do the powwow outside and it was a nice setup, but there were no tribunes and I wondered whether everybody would be able to see the dances, as the place was packed with people. Joe got dressed and I finally got some coffee to fight the headache coming up due to the lack of sleep. I think only the good air in the Alps kept me awake that long. We met another member of our association, his two friends from Russia and another friend who visits us quite often. The dancers were about to enter the dance arena when it started pouring down with rain, so the event had to be moved inside the building. The civic center had a stage and approx. 700 seats on benches, but there were far more visitors. It took a while to get everybody seated. Peter Pfaffinger did a good job explaining the situation over the microphone and never lost  his humor. He was the MC and I had never heard an MC talking Bavarian dialect before. When I looked around, I saw quite a lot of people wearing traditional Bavarian regalia. Men and boys in Lederhosen and women in Dirndl. Not the cheap imitation ones you can buy in souvenir stores – no, the people in that region still practise their own traditions a lot and it was good to see that. This is what I call cultural exchange: Both sides presenting their own culture. Because there was not enough room for everybody, people had to wait for the second performance later that day. But it looked like most of them took it easy.

Joe danced together with the Santee Sioux. They presented the different dance categories and everything was explained to the audience. I liked the way Peter Pfaffinger used comparisons between Native American and Bavarian cultures in order to create a better understanding. At the end of each performance they invited some people from the audience to come up on stage and dance a round dance and a two-step. Joe gestured for me to join him, so I got on stage and danced the social dances with them.

 

Dance group     On stage     After the performance

The dance group

 

The civic center was packed with people.
Luckily there was a stage.

 

After the performance

Afterwards we stayed for a while, because Joe was busy talking to people. I was fighting my tiredness and did not want to talk a lot. When everybody started packing up, our friends suggested to have dinner together, before we all had to part. We sat down in a nice restaurant, enjoyed our dinner and talked until about 11 p.m. Joe had a good conversation with the two visitors from Russia on the parking lot afterwards, while I was totally fascinated by the little mountain river close by which had waves rolling all the way down from the mountains. Everything is different in the Alps, even the rivers. It is not that I wasn’t interested in the conversation, but at that point I had a hard time concentrating, so I just wanted to enjoy the wonderful calm view knowing that I had another long drive ahead of me and a press conference in the morning, but the experience we were able to make was worth all efforts. I suppose it was getting close to midnight when we finally took off. It is always difficult to say “Good bye”. In Kiowa, this is “Hay gaw ah bone thaw”, and in fact this does not translate to “Good bye”, but means “I will see you again”. We almost use the same expression in German when we say “Auf Wiedersehen”.

Carmen Kwasny

More travel reports coming soon.


 

Jugend- und Kulturaustausch Projekt – Santee Sioux - Pfadfinder, Aschau

Powwow Tanzpräsentation in Aschau


Am 20. April 2010 erhielt ich eine E-Mail von Todd Runnels aus den USA, in der er mich über einen Jugendkulturaustausch informierte, der vom 28. Juli bis zum 20. August 2010 in Aschau stattfinden sollte. Für den 15. August war ein Powwow (bzw. eine Powwow-Tanzpräsentation) geplant und für dieses suchten sie noch indianische Tänzer, die gemeinsam mit ihnen tanzen sollten, um so das ganze Projekt zu unterstützen. Ich schickte ihm eine E-Mail zurück und teilte ihm mit, dass unser 2. Vorsitzender Joe Lucero Hobay sich um diese Zeit in Deutschland aufhalten würde und dass wir versuchen würden, es dorthin zu schaffen. Ich wusste, dass wir uns während dieser Zeit in Nordrhein-Westfalen aufhalten würden und dass die Fahrt bis ganz nach unten in den Süden zu den Alpen sehr lang sein würde. Ich hoffte, dass wir etwas Zeit in den Alpen verbringen könnten, wenigstens ein paar Tage. Todd schickte mir die Kontaktdaten des Ansprechpartners auf deutscher Seite, Peter Pfaffinger aus Aschau. Auch zu ihm nahm ich Kontakt auf. Kurze Zeit später erfuhr ich, dass wir zwar zu der Veranstaltung am Sonntag kommen konnten, jedoch bereits am Montagmorgen an einem anderen Ort sein mussten. Es war auch unmöglich, einen Tag früher anzureisen. Wir würden also den bayrischen Kulturabend verpassen, den Peter für die Gruppe organisiert hatte.

Wir machten uns am Samstagabend von Nordrhein-Westfalen aus auf den Weg und fuhren nach Kaiserslautern, schliefen dort zwei Stunden und fuhren dann wieder auf der Autobahn weiter Richtung Süden. Ich fuhr die ganze Nacht durch (850 km). Wir kamen am Sonntagmorgen so gegen 9:00 Uhr in Aschau an, parkten neben einem Wald ein Stück den Hügel hinauf und stiegen aus dem Auto. Wir waren am Fuß der Alpen. Ich atmete tief ein. – Nichts ist vergleichbar mit der frischen Luft in den Alpen und diesem wundervollen Duft. Home sweet home! Ich habe meine ersten Lebensjahre in Bayern in der Nähe der Alpen verbracht und betrachte dieses Gebiet als mein Zuhause. Aber es blieb keine Zeit, um in Erinnerungen zu schwelgen, denn wir mussten uns fertig machen. Wir benutzten das Trinkwasser aus unseren Flaschen, um uns zu waschen und um unsere Haare zu glätten. Im Auto stapelte sich alles Mögliche an Zeug, was zu diesem Zeitpunkt aus Zeitmangel weit davon entfernt war, eine Ordnung erkennen zu lassen. Das Gepäck, die Taschen mit Reiseproviant, die Handtücher, die Decken, alles lag im Innenraum verstreut, inklusive unserem Wasserkocher, dem wichtigsten Gegenstand überhaupt, der unglücklicherweise jedoch nur mit Hilfe der Elektrizität funktioniert. „Ich hoffe, wir können irgendwo einen Kaffee bekommen“, sagte ich zu Joe. Ich kann sehr brummelig werden, wenn ich morgens keinen Kaffee habe.

Wir fuhren zum Veranstaltungsort und trafen Peter, Todd und zwei Mitglieder der NAAoG, kurz nachdem wir dort angekommen waren. Jeder war sehr beschäftigt und so entschieden wir, später miteinander zu sprechen. Wir hatten noch immer einige Stunden Zeit und beschlossen deshalb, diese zu nutzen und uns den schönen Ort mit all den wundervollen, mit Gemälden reich verzierten bayrischen Häusern anzusehen. Joe erspähte einen Souvenirladen und sagte, dass wir auf dem Rückweg unbedingt dort hineinmüssten. Genau gegenüber befand sich eine Kabinenseilbahn und unser Mitglied aus der Schweiz lud uns zu einer Fahrt ein. Ich bin dafür sehr dankbar. Es war einfach wundervoll dort oben. Weder Joe noch ich haben mit dem gerechnet, was wir dort oben auf dem Gipfel zu sehen bekamen. Wir waren völlig überwältigt. Vom Fuß der Alpen aus gesehen sieht es überhaupt nicht so hoch aus, doch als wir mit der Kabinenseilbahn nach oben fuhren, wurde uns bewusst, wie hoch es wirklich ist. Sobald man die Kabine verlässt und aus der Station heraustritt, befindet man sich plötzlich in den Alpen. Und wenn man dann Richtung Süden schaut, sieht man nur noch Berge. Soweit das Auge reicht bis weit in die Ferne. Und ich sah meine Lieblingskühe, die braunen mit den Plüschohren.

 

Am Fuß der Alpen     Die Alpen     Eine meiner Lieblingskühe

In Aschau am Fuß der Alpen

 

Die Alpen - Blick vom  Berggipfel aus

 

Eine meiner Lieblingskühe

 Das Wetter war schön, als wir ankamen, aber schon nach kurzer Zeit zogen Wolken auf. Es ist in den Alpen nichts Ungewöhnliches, dass sich das Wetter sehr schnell ändert. Innerhalb kürzester Zeit bedeckten die Wolken einfach alles und als wir beschlossen, dass es Zeit ist, zurückzufahren, konnten wir bereits überhaupt nichts mehr sehen – keine Berge, noch nicht einmal die Bergstation mit der Seilbahn. Wir befanden uns in den Wolken. Uns wurde bewusst, wie viel Glück wir hatten, dass uns dieser wundervolle Blick vergönnt war ,bevor alles wieder verschwand. Es war wie ein Geschenk. Joe würde sagen, ein Geschenk des Schöpfers. Wir benutzten die Kabinenseilbahn, um wieder hinunterzufahren und es dauerte eine ganze Weile, bis wir aus den Wolken herauskamen. Wir gingen wieder zurück zu dem Ort, an dem das Powwow stattfinden sollte.
 

Erst war das Wetter schön.     Doch bald kamen die Wolken.     lick aus der Kabine

Als wir ankamen, war das Wetter noch schön.

 

Doch bald kamen die Wolken und alles fing an zu verschwinden.

 

Blick aus der Kabine der Seilbahn auf dem
Rückweg

 Es war geplant, dass das Powwow draußen stattfinden sollte und alles war gut vorbereitet, aber es gab keine Tribünen und ich machte mir Gedanken darüber, ob auch jeder die Tänze wird sehen können, denn der Platz war voller Menschen. Joe zog sich um und ich bekam endlich meinen Kaffee, um meine aufkommenden Kopfschmerzen, eine Folge des Schlafmangels, zu bekämpfen. Ich glaube, nur durch die frische Alpenluft war es mir möglich, so lange wach zu bleiben. Wir trafen ein weiteres Mitglied unserer Organisation, seine zwei Freunde aus Russland und einen weiteren Freund, der uns des Öfteren besucht. Die Tänzer waren kurz davor, auf die Tanzfläche zu kommen, als es sehr heftig anfing zu regnen, so dass die ganze Veranstaltung in die Halle verlegt werden musste. Die Veranstaltungshalle hatte eine Bühne und ca. 700 Sitzplätze auf Bänken, doch dies war unglücklicherweise nicht genug. Es dauerte eine Weile, bis alle auf ihren Plätzen saßen. Peter Pfaffinger leistete eine hervorragende Arbeit und erklärte mit Hilfe des Mikrofons die Situation und er hat dabei nie seinen Humor verloren. Er war der MC (Master of Ceremonies) und ich habe noch nie zuvor einen MC gehört, der dabei bayrisch sprach. Als ich mich umschaute, sah ich etliche Leute in traditionellen bayrischen Trachten. Männer und Jungen in Lederhosen und Frauen im Dirndl. Nicht die billigen nachgemachten, die man in Souvenirgeschäften kaufen kann. Nein, denn die Menschen in dieser Gegend praktizieren noch immer ihre eigenen Traditionen und es tat gut, dies zu sehen. Es war genau das, was ich als Kulturaustausch bezeichne. Beide Seiten präsentierten ihre eigene Kultur. Da der Platz nicht für alle ausreichte, mussten einige Zuschauer auf die zweite Vorführung warten, die zu einem späteren Zeitpunkt an diesem Tag stattfand. Aber es sah so aus, als wäre dies von den meisten eher gelassen hingenommen worden.

Joe tanzte gemeinsam mit den Santee Sioux. Sie präsentierten die verschiedenen Tanzkategorien und dem Publikum wurde alles erklärt. Ich mochte die Art und Weise, wie Peter Pfaffinger Vergleiche zwischen indianischer und bayrischer Kultur benutzte, um ein besseres Verständnis zu ermöglichen. Jeweils am Ende der Präsentation wurden einige Leute aus dem Publikum eingeladen, auf die Bühne zu kommen, um bei einem Rundtanz und einem Two Step mitzutanzen. Joe gab mir ein Zeichen, zu ihm zu kommen und so betrat ich die Bühne und tanzte die Gemeinschaftstänze zusammen mit ihm.

 

Die Tanzgruppe     Auf der Bühne     Die Tanzgruppe

Die Tanzgruppe

 

Der Veranstaltungssaal war voll mit Menschen.
Zum Glück gab es eine Bühne.

 

Nach der Tanzpräsentation

 Nachdem alles zu Ende war, blieben wir noch eine Weile, denn Joe hatte noch Gespräche mit den Menschen vor Ort. Ich kämpfte gegen meine Müdigkeit an und wollte nicht viel reden. Als alle anfingen, ihre Sachen zu packen, schlugen unsere Freunde vor, noch gemeinsam zu Abend zu essen, bevor wir alle wieder auseinandergehen mussten. Wir saßen gemeinsam in einem netten Restaurant, genossen unser Abendessen und redeten bis ca. 23:00 Uhr. Joe hatte anschließend auf dem Parkplatz noch ein gutes Gespräch mit den zwei Gästen aus Russland, während ich völlig fasziniert war von der Tatsache, dass der kleine Gebirgsfluss in unmittelbarer Nähe Wellen hatte, die den ganzen Weg hinunter aus den Bergen angerollt kamen. Alles ist anders in den Alpen, sogar die Flüsse. Es ist nicht so, dass mich die Unterhaltung nicht interessierte, aber an diesem Punkt hatte ich Probleme mit meiner Konzentration und deshalb wollte ich nur noch diesen wundervollen ruhigen Anblick genießen, da ich wusste, dass ich noch eine weite Fahrstrecke vor mir hatte und eine Pressekonferenz am kommenden Morgen. Die Erfahrungen, die wir machen durften, waren diese Anstrengungen wert. Ich glaube, es ging auf 12:00 Uhr Mitternacht zu, als wir endlich losfuhren. Es ist immer schwierig „Good Bye“ zu sagen. Auf Kiowa sagt man "Hay gaw ah bone thaw" und das bedeutet nicht dasselbe wie „Good Bye“. Es heißt: „Ich werde dich wiedersehen.“ Der Ausdruck, der hier in Deutschland verwendet wird, hat fast die gleiche Bedeutung. Wir sagen: „Auf Wiedersehen.“

Carmen Kwasny

Weitere Berichte folgen in Kürze.

The Native American Association of Germany e.V. - Building Bridges - Connecting People