Warum das Motto der NAAoG geändert wurde
Ein Beitrag von Carmen Kwasny
Hier in Europa wächst das Bewusstsein für Themen, die Native Americans betreffen. Dennoch besteht nach wie vor ein großer Mangel an Wissen. Native American Nations und Communities nutzen intensiv das Internet, um wichtige Informationen und ihre eigenen mündlich überlieferten Geschichten zu teilen. Die Pandemie hat diesen Prozess beschleunigt. Wissen aus erster Hand ist also verfügbar. Es ist nicht nachvollziehbar, warum diese Möglichkeiten nicht genutzt werden, um das eigene Wissen zu erweitern. Selbst diejenigen, die den Dekolonisierungsprozess aktiv unterstützen, erkennen oft nicht, wie komplex die Gesamtsituation ist, was an den ständig wiederholten Argumenten deutlich zu erkennen ist.
Die NAAoG wird oft von Europäern kontaktiert, die gerne Kontakt zu Native Americans hätten. Die stereotypen Vorstellungen, die stets als "positiv" bezeichnet werden, machen einen Austausch auf Augenhöhe jedoch unmöglich. Daraus resultieren immer wieder dieselben Probleme, was für alle Beteiligten sehr frustrierend ist.
Um einer noch größeren Spaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken, wurden auf diesen Internetseiten, in persönlichen Gesprächen und in Presseinterviews brisante Themen auf diplomatische Weise näher beleuchtet. Die gemachten Aussagen lassen sich mit Informationen aus erster Hand belegen. Jeder hat nun Zugang zu diesem Wissen. Aber anstatt dieses für Bildungszwecke zu nutzen und es zu einem ständigen Leitfaden zu machen, kombinieren Personen mit egozentrischen Motiven einen Teil der Informationen aus erster Hand mit stereotypen Vorstellungen. Dies führt zu einer befremdlichen Mischung.
Die verhärteten Fronten beim Thema "Indianerkostüme"
Wenn Kinder in Deutschland ein "Indianer"-Kostüm anziehen, dann verbergen sich dahinter in der Regel keinerlei boshafte Absichten. Sie möchten so sein, wie ihre Vorbilder. Wie schockierend muss es sich für diese Kinder und ihre Eltern anfühlen, wenn ihnen dann Rassismus vorgeworfen wird. Das Problem besteht darin, dass die Art und Weise, wie diese Kinder Native Americans wahrnehmen, auf stereotypen Vorstellungen basiert. Die Bildungs- und Aufklärungsarbeit der NAAoG diente schon immer dazu, ein tieferes Verständnis zu ermöglichen. Niemals stand dabei die Forderung nach einem Verbot auch nur ansatzweise im Raum. Es ging darum, die Kinder behutsam dort abzuholen, wo sie stehen.
Ganz offensichtlich haben einige Menschen hier in Deutschland und in den Nachbarländern diese diplomatische Art, mit der gesamten Situation umzugehen, missverstanden. Sie kontaktieren die NAAoG in erster Linie aus folgendem Grund: Sie wollen Unterstützung bei der Rechtfertigung ihrer eigenen Handlungen, weil diese in zunehmendem Maße kritisiert werden.
Es ist jedoch eine Tatsache, dass viele Native Americans die gängigen „Indianer“-Kostüme als Verhöhnung ihrer Kulturen empfinden. Darauf wurde jahrzehntelang wiederholt öffentlich hingewiesen. Das geschah bereits, bevor die Native American Association of Germany 1994 gegründet wurde. Powwow‑Poster und Flyer wurden deshalb mit dem folgendem Hinweis versehen:
Erschreckenderweise hat sich hier in Europa, im Gegensatz zu den Veränderungen in den USA und Kanada, seitdem nicht viel verändert. Jahrzehnte später werden Native Americans nach wie vor mit diesem Problem konfrontiert. Warum fällt es vielen Menschen so schwer, ein Verständnis für die Gefühle derjenigen zu zeigen, deren Vorfahren einen Völkermord überlebt haben? Durch mündliche Überlieferungen ist vielen jungen Native Americans bewusst, dass ihre Vorfahren gezwungen waren, viel Leid zu ertragen, um ihre Traditionen trotz Verfolgung und Unterdrückung am Leben zu erhalten.
Wissenschaftliche Studien belegen, dass stereotype Vorstellungen einen extrem negativen Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung indigener Kinder und Jugendlicher haben. Durch die gängigen "Indianer"-Kostüme werden diese falschen Vorstellungen sichtbar. Es ist eine Frage des Respekts vor den weiterhin praktizierten alten Traditionen, auf diese Verkleidungen zu verzichten. Doch ausgerechnet diejenigen, die stets beteuern, wie sehr sie Native Americans bewundern und dass dies durch die Kostüme zum Ausdruck gebracht werde, sind nicht gewillt ihre Sichtweise zu verändern. Stattdessen versuchen sie immer wieder, ihre Handlungen zu rechtfertigen.
"It's Time to Change the Narrative" ("Es ist Zeit, das Narrativ zu verändern") ist ein gutes Motto, um zum Ausdruck zu bringen, wie wichtig es ist, sich von alten Konzepten zu verabschieden und für eine Entwicklung offen zu sein, die das Potential hat, endlich Frieden, Heilung und Harmonie zu bringen.